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    SFB 1265 Re-Figuration von Räumen, Phase 3

    B03 Multiple Einkapselungen

    Research

    Gated Communities, Kunstenklaven und kinderfreie Räume

    In der ersten Förderphase des SFB 1265 hat das Teilprojekt die Refiguration von Räumen anhand der koreanischen smart city Songdo untersucht. Es zeigte sich, dass Refiguration dort in homogene Siedlungsformen und ein an den Interessen der Mittelschicht orientiertes Digitalisierungskonzept mündet. In der zweiten Förderphase konnte hergeleitet werden, wie mit der Durchsetzung dieser urbanen Apartmenthauspolitik als räumlicher Refiguration auch Protestbewegungen und alternative, queere Lebensformen entstehen. Wir beobachteten in beiden Förderphasen Strategien der Einkapselung der untersuchten Teilgruppen in digital kontrollierten, über Schwellen inszenierten Spezialräumen. Ziel der Einkapselungen ist es, Sicherheit vermeintlich zu erhöhen und Komplexität zu reduzieren. In der dritten Förderphase verfolgen wir das Ziel der Synthetisierung und Generalisierung der Ergebnisse. Wir stellen die Frage, wie baulich-räumliche und soziale Strukturen der Einkapselung sowohl dazu beitragen, Refiguration zu verarbeiten als auch in Form gesellschaftlicher Polarisierungen Refiguration weiter vorantreiben. Dies impliziert darüber hinaus die Frage nach der Porosität der Kapseln, erstens durch digitalisierte Vernetzung und zweitens über Dienstleistungen. Neben Sekundär-analysen vorliegender Daten und Querschnittsanalysen über verschiedene Teilprojekte im SFB sollen an zwei Phänomenbereichen vertiefende Erhebungen in Südkorea erfolgen: die Durchsetzung kinderfreier öffentlicher Räume in koreanischen Großstädten und die Förderung der Ansiedlung von Künstler*innen in peripheren Dörfern. Die Entwicklung von gated communities soll in Südkorea als Langzeitbeobachtung ebenfalls in der dritten Phase weitergeführt werden. Von der Untersuchung differenter und ähnlicher Formen der Einkapselung erwarten wir Aufschluss bezüglich ihrer Entstehungsbedingungen, der Art ihrer materiell-digitalen Schwellen und ihrer Relevanz. Ferner sind relationierende Erhebungen in Brasilien und in der Schweiz geplant. Das Teilprojekt verknüpft städtebauliche und soziologische Methoden. Eingesetzt werden teilnehmende Beobachtungen, hybrid mapping und leitfadengestützte Interviews.

    SFB 1265 Re-Figuration von Räumen, Phase 3

    A07 Naturräume: Konflikte um botanisches Wissen am Beispiel der (trans)atlantischen Wälder

    Research

    Das neue Teilprojekt A07 untersucht Konflikte um das Wissen über Biodiversitätsschutz vor dem Hintergrund des dramatisch zunehmenden Aussterbens nicht-menschlichen Lebens auf der Erde. Der Naturschutz als paradigmatisches-modernistisches Regime, das historisch bestimmt hat, wie Menschen und nicht-menschliche Entitäten räumlich organisiert sind, wird seit den 1960er Jahren durch zeitgenössische Kräfte sowie sich verändernde klimatische Bedingungen, Dekolonisierungsbestrebungen (des Wissens) und Entwicklungen in der digitalisierten Biotechnologie massiv destabilisiert.

    Das Teilprojekt fokussiert dieses existenzielle planetarische Problem aus einer räumlichen Perspektive in Bezug auf die fragmentierten transatlantischen Wälder, die sich entlang der von Imperialismus und kolonialer Expansion geprägten Küstenstreifen des Atlantischen Ozeans erstrecken, und untersucht die Refiguration von Räumen in diesem Kontext. Mit dem Ansatz einer interdisziplinären Designforschung zwischen Soziologie und Architektur, die eine multi-sited-ethnography mit Expert*inneninterviews und hybrid mapping kombiniert, untersucht das Teilprojekt, wie die transatlantischen Wälder und die Subjektivitäten von nature custodians (u. a Parkrangers, indigene Guaraní Leaders, IUCN-Mitarbeitende) in Raumkonflikten um Naturschutzwissen ko-konstituiert werden. Anhand der Beispiele Brasilien und das Vereinigte Königreich werden folgende Fragen untersucht: Welche Wissenskonflikte fordern die Stabilität des modernen Naturschutzregimes heraus? Und wie wirken sie sich auf die laufende Ko-Konstituierung von Naturräumen und die Subjektivitäten von Naturwächter*innen in transatlantischen Wäldern aus?

    Das Problem des Biodiversitätsverlusts wirft nicht nur die Frage nach der Bedeutung des biologischen Wissens für den Naturschutz auf, sondern markiert zugleich auch eine soziopolitische und räumliche Frage sowie einen Machtkampf darüber, wer bestimmt, wie menschliches und nicht-menschliches Leben auf dem Planeten räumlich geordnet und neu organisiert werden. Durch die Untersuchung der Verräumlichung von Konflikten in Naturschutzregimen will das Teilprojekt aufzeigen, wie botanisches Wissen in Naturräumen materialisiert und reproduziert wird. Insgesamt zielt das Projekt darauf ab, Prozesse der Refiguration zu erfassen, in denen hegemoniale Epistemologien des Nordens durch vielfältigere Formen des Wissens (lokal, traditionell, subaltern, artisanal usw.) herausgefordert werden.